Eine Sindelfinger Ulme bekommt Symbolkarakter

Konrad Schreyer kreiert mit der Säge eine Skulptur. Dreiecke habe es Konrad Schreyer angetan."Sie sind von der Geometrie her sehr stabil", sagt der Künstler, der auf dem Sindefinger Marktplatz aus einer Ulme ein Kunstwerk schafft. Mit der Kettensäge. Ein bisschen sieht es aus wie eine Bausstelle, das Plätzchen, auf dem der junge Mann seit Anfang der Woche arbeitet. Ein rot-weisser Bauzaun trennt die quadratische Fläche ab. Und auch Schreyer ähnelt auf den ersten Blick einem Arbeiter, wie er mit seinem gelben Helm mit dem Schutzvisir dasteht, trotz warmen Sonnenscheins mit Handschuhen.

Arbeitskleidung eines Bildhauers. Seit elf Jahren ist der Stuttgarter, Jahrgang 76, der Gestaltung von Holz verfallen, kreiert er Skulpturen. Das Hobby wird Berufung. Schreyer schreibt sich an der Kunstschule Filderstadt ein. Von seinem Lehrer HWP Diedenhofen lernt er viel, unter anderem den Umgang mit dem Stichmesser. Grundkenntnisse.

Die er mit der Aufnahmen seines Studiums an der Kunstakademie Stuttgart 1996 erweitert. Über diese Schiene kommt er nach Sindelfingen. Ein Künstler aus Darmsheim erinnert sich an den jungen Mann. Hintergrund ist eine Anfrage der Stadt. Diese sucht jemanden, der einen Ulmenstamm zu einem Kunstwerk macht. Nicht irgendeinen. Sondern einen Sindelfinger Baum. "Die Ulme wurde vergangenes jahr gefällt ", sagt Thomas Speer. Der Leiter des Regiebetriebs Stadtgrün schaut auf dem Marktplatz zu, wie die Skulptur Gestalt annimmt. Der Regiebetrieb hat sich zusammen mit der Galerie der Stadt für das Projekt sark gemacht. Denn die Ulme hat Symbolcharakter. Sie gehört zu einer Baumgruppe, die entlang der Sindelfinger Neckarstrasse gepflanzt worden waren. Diese Ulmen gibt es nicht mehr. Ein Pilz hat sie dahingerafft, eine nach der anderen.

Das letzte Exemplar soll nun ein Zeichen setzten, "Ulmenstrasse" erinnern. Ursprünglich wollte die Stadt die Skulptur in der Neckarstrasse aufstellen. Als 3,70 Meter hohes Mal. Nun ist der Baum aber-was niemand wissen konnte- ein Zwiesel, das heisst, zwei Stämme sind zusammengewachsten. Was es unmöglich macht, den Stamm in einem Stück zu bearbeiten. "Die Skulptur wird maximal 1,80 Meter sagt Konrad Schreyer. Er arbeitet an drei Einzelelementen. Das Dreieck hat er sich zum Symbol genommen. Es hat für ihn eine warnende Funktion. "Dreiecke finden sich immer da, wo vor etwas gewarnt wird", verweist er auf Strassenschilder. Das Schaffen macht im Spass. Auch wenn er eingeschränkt ist. Denn auf dem Marktplatz darf er immer nur eine halbe Stunde am Stück sägen, dann muss er eine Viertel Stunde Pause machen. Oder eine Stunde Arbeit und eine halbe Stunde Ruhe. "Ist Okay", meint er. Obwohl er manchmal lieber zwei Stunden nonstop sägen würde. Dafür dann aber länger pausieren, um übers Konzept nachzudenken oder vorzuzeichnen. Denn er muss vor allem eines: Sauber arbeiten. "Mit der Kettensäge kann man sich keinen Schnitzer erlauben", hat er erfahren. Wobei er noch keine grösseren Blassuren davongetragen hat. Das Holz hat es ihm angetan. "Es ist einfach ein supergeiles Material." Mit der Motorsäge extrem kraftvoll zu bearbeiten. Was er auf dem Marktplatz demonstriert.

Datum: Freitag, 12. Oktober

Quelle: Sindelfinger Kreiszeitung, Stadt und Kreis Böblingen, Nummer 236, Seite 9

Autor: Ulrike Link