Mit der Kettensäge wird für Naturschutz geworben

Großes Interesse am neuen Kunstpfad beim Bärenschlässle

Wrummm, wrumm!
Konrad Schreyer klappt den Augenschutz aus Kunststoff herunter, neigt sein lärmendes Werkzeug nach von und wird künstlerisch tätig an einem Baumstamm, mit einer Kettensäge. Am Sonntag ist am Bärenschlässle ein Kunstpfad eröffnet worden. Von Eberhard Renz Sieben Künstler haben zum Teil schon vor eineinhalb Jahren damit begonnen, sich mit dem Thema Kunst und Naturschutz zu beschäftigen; "Natur und Wald", so der Arbeitstitel ganz genau.

Ziel des Projektes: Mehr Menschen als bisher sollen sich für den Naturschutz begeistern - und erreicht werden soll dies eben mit Hilfe der Kunst. Das war jedenfalls der Gedanke der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege sowie des Staatlichen Forstamtes. "Naturschutz bedeutet nicht, eine Käseglocke über das jeweilige Gebiet zu stölpen", sagte der Regierungspräsident Udo Andriof am Sonntag bei der Eröffnung des neuen Pfades vor annähernd 300 Besuchern.

Ein Naturschutzgebiet sei zudem nicht Natur pur, betonte er, sondern eine Kulturlandschaft, die über Jahrhunderte vom Menschen gestaltet worden sei. Stets gehegt und gepflegt Gerade das Gebiet um das Bärenschlässle sei für die Begegnung von Kunst und Natur bestens geeignet. Es sei eines der ältesten und größten Naturschutzgebiete im Regierungsbezirk Stuttgart. Und es sei über Jahrhunderte hinweg auch das Jagdgebiet der Herzöge und Künige des Landes gewesen, somit also permanent vom Menschen gehegt und gepflegt worden. "Aus der Begegnung zwischen Naturschutz und Kunst kann etwas Spannendes entstehen", so Andriof. Beide Bereiche würden davon profitieren. Wer sich die Werke der sieben Künstler in der Natur ansehen möchte, kann dies noch bis 13. August tun. Vom Bärenschlässle aus führt der.

Kunstpfad zunächst in Richtung Forsthaus II. Der Weg ist mit blau-gelben Scbildern gekennzeichnet. Eine Runde dauert zirka eine Stunde. Der Spaziergang kann aber, wenn man, wie Gert Beisel, Leiter der Forstdirektion Stuttgart, sagte, seinen Gedanken in der Stille freien Lauf lässt, durchaus auch länger werden. Zum Nachdenken anregen Einer der Künstler, die sich mit der Natur auseinander gesetzt haben, ist Konrad Schreyer. Der 1976 in Stuttgart geborene Mann bearbeitet einen Baumstamm mit der Kettensäge. Am Sonntag hat er dem Publikum Anschauungsunterricht seiner Arbeit gegeben, noch ist das.

Ergebnis offen. Auf jeden Fall soll die Skulptur ebenfalls im Rahmen des Kulturpfades ausgestellt werden. "Formen sind materialisierte Gefühle, Gedanken und Assoziationen", so Schreyer. Geht es nach den "Vätern" des Stuttgarter Kunstpfades, sollen die Kunstwerke die Besucher zum Nachdenken anregen, aber natürlich auch Spaß am Wald vermitteln und einen Eindruck von.dessen Vielfältigkeit geben. Im Öbrigen haben sich einige der Künstler aus dem "Fundus" der Natur bedient ähnlich wie Schreyer. Ein Rahmenprogramm begleitet das Projekt und behandelt bei verschiedenen geführten Spaziergängen durch den Wald Themen, die mit dem Naturschutz zusammenhängen.

Nähere Informationen über den neuen Kunstpfad beim Bärenschlässle gibt es unter den Telefonnummern 904-34 38 oder unter 22 55 39-0.
Konrad Schreyer bei der Arbeit: Aus dem Baumstamm wird ein Kunstwerk.

Datum: Dienstag,4.Juli 2000
Quelle: STUTTGARTER ZEITUNG