Konrad Schreyer: kunstvoller Umgang mit der Kettensäge

Nur Kr–ten nehmen Reiþaus Kunstpfad durch Rot- und Schwarzwildpark Das Kreischen einer Kettensäge durchschnitt am Sonntag die Stille beim Bärenschlässle und lockte ein bunt gemischtes Publikum an. Der Bildhauer Konrad Schreyer verwandelte im Schweiße seines Angesichts einen Baumstamm zur Skulptur. Schreyers Performance läutete ein Ausstellungsprojekt im Rot- und Schwarzwildpark ein, auf Initiative der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege, des Staatlichen Forstamts und der Kunstakademie. Auf einem über drei Kilometer langen Kunstpfad haben sich sechs Künstler dem Thema" Natur und Wald " gewidmet.

Mitten im Forst, im derzeit verlassen daliegenden Rotwildgehege, und auf dem, Weg werfen die Kunstobjekte eine neue Perspektive auf die vom Menschen so selbstverständlich konsumierte Natur. Der Spaziergänger sieht sich mit einem humorvoll bearbeiteten Schilderwald im Wald konfrontiert,während ein rührender Hirsch im metallenen Schattenriss als "übergangslüsung" das leere Rotwildgehege bevölkert. Die Wege zieren eingelassene Platten, die im Zeichen des "Keltischen Alphabets" über uralte Bedeutungen von Eiche oder Weide aufklären. Zahlreiche Kunstobjekte sind vom 2. Juli bis zum 13. August zu erkunden, ein Rahmenprogramm ergänzt das Projekt. "Kunst als Wegweisung zur Natur", so hatte sich Gert Beisel von der Forstdirektion das Projekt gedacht.

Wie wahr das für die Eröffnungsbesucher werden sollte, hatte er freilich nicht geahnt: Dort, wo die Künstlerin Ilka Götz ihren kleinen Integrationsversuch" unternimmt, kleine Spiegel auf einem See schwimmen lässt, dort wanderten Krätes Nachkommen zu hunderten ins Wasser. Sogleich fanden sich einige Beschötzer, um die Kleinen vor der großen Katastrophe des Besucheranstroms zu schätzen. Kräfte meets Kunst. Und Kräte hat Vorfahrt.

Datum: 3.Juli 2000
Quelle: Stuttgarter Nachrichten